Dragica Kopjar

Meine Mission in Afrika



Während meiner ersten einmonatigen humanitären Mission besuchte ich den nördlichen Gebirgsteil Kenias, wo sich wunderschöne, grüne Plantage von Korn, Tee, Kaffee, Mango und Bananen befinden. Dieser Teil des Landes ist für die langen Trockenperioden bekannt, aber gleichzeitig mit meiner Ankunft begann es, täglich zu regnen. Der Aufenthalt in Kenia und die Freiwilligenarbeit in der Mission der Franziskaner waren eine nützliche und unvergessliche Erfahrung für mein ganzes Leben, was auf eine Art und Weise meine weitere Arbeit und meinen Weg im Leben bestimmt hat, und dieser Weg ist die humanitäre Arbeit, obwohl ich auch früher, im Laufe meines ganzen Lebens und besonders während meiner Schulausbildung humanitäre Arbeit in Form von verschiedener Freiwilligenarbeit im Gemeinwesen verrichtet habe und selbstlos anderen geholfen habe.

Vor meiner Abfahrt nach Afrika (Sommer 2011) beendigte ich mein langjähriges Arbeitsverhältnis, weil ich schon damals wusste, dass ich nach meiner Rückkehr nach Kroatien den helfen wollte, die Hilfe am meisten nötig haben – den Kindern. Die Tragödie, die sich in meinen Leben ein Jahr vorher abspielte, war das schlimmste, was einer Mutter passieren kann, nämlich der Tod meines 23-jährigen Sohnes, bestätigte mir, was zu tun ist. Wie konnte ich nach so einem Ereignis etwas weiter machen, was nicht mehr denselben Sinn für mich hatte wie früher? Nach dem Schock und all dem, was ich danach durchlebte, konnten mich weder eine gute Arbeitsstelle noch ein guter Lohn an demselben Arbeitsplatz halten, ich konnte nicht mehr etwas tun, was keinen Sinn im Leben hatte.

 

Ich brauchte etwas völlig anderes, etwas Geistliches, etwas, was ich aus Liebe und aus meinem Herzen tun würde und nicht, um meinen Lohn zu bekommen. Ich versuchte meinen ganzen Schmerz, meine Trauer und das Leiden in eine noch größere Liebe für andere zu verwandeln und besonders in die Liebe für Kinder. Auch mein Sohn half sehr oft anderen Menschen und ich machte einfach dort weiter, wo er aufgehört hat. In den Momenten der größten Trauer half mir seine Güte und Liebe und gab mir die Kraft, weiter zu machen. Sie gaben mir die Kraft, nach Afrika zu reisen und nach meiner Rückkehr den humanitären Verein Der Blaue Engel zu gründen. Am Anfang sollte das ein Verein für Familien, dessen Angehörige auf Bahngleisen verunglückt sind, denn ich habe meinem Sohn versprochen, einen solchen Verein zu gründen, aber schon in Afrika und nach meiner Rückkehr habe ich gemerkt, dass ich auf diese Weise viel mehr von mir geben kann, denn so helfe ich den Kindern direkt und das bin einfach ich.

 

Die Beendung meines Arbeitsverhältnisses gab mir die lang erwünschte Freiheit, meinen Urlaub nach Wunsch zu verlängern und in Afrika zu bleiben.

 

In Afrika hat mir am meisten gefallen, Zeit mit der örtlichen Bevölkerung zu verbringen und fernliegende Dörfer zu besuchen, wo die ärmsten Familien leben, Familien mit vielen Kindern, Alte und Kranke. Auch ich wuchs auf dem Dorf auf in einer armen Familie mit zwei Schwestern. Ich besuchte jeden Tag verschiedene Familien, redete mit ihnen, brachte ihn Essen und versprach ihnen finanzielle Hilfe zu sammeln, wenn ich nach Kroatien zurückkehre. Sie brauchen wirklich unsere Hilfe und diese Hilfe können wir ihnen auch bieten. Sie rufen und brauchen uns, wir müssen ihren Ruf nur hören. Sie wollen, dass wir sie dort besuchen, wo niemand hinkommt und wo keine Hilfe geboten wird. Das sind wundervolle Menschen, lieb und ruhig, immer fröhlich, sie klagen nie, obwohl sie sehr arm, aber im Geiste so reich sind. Ich versteckte oft meine Tränen und versuchte so den Eindruck nicht zu zeigen, den das alles auf mich hinterließ, weil sie würdevoll mit all dieser Armut umgehen und es scheint, als ob sie etwas Besseres gar nicht kennen. Mit dem Leiter habe ich die Mittelschule besucht, die 25 Jahre alt ist und die renoviert werden muss. Die Möbel in den Klassen sind abgenutzt und die Wände brauchen dringend neue Farbe.

Während meiner Mission habe ich mit der örtlichen Bevölkerung den Flüchtlingscamps besucht, den größten in diesem Teil von Kenia, den es schon 4 Jahre gibt und in dem in alten Zelten Hunderte Kinder und Menschen unter schrecklichen Umständen leben, ohne Essen und Wasser, ohne Strom, Kanalisation, wobei sich Krankheiten ausbreiten. Ich weiß, dass es Menschen mit einem großen Herz gibt, die mir mit ihren Spenden helfen werden, Essen zu kaufen und den Menschen dort zu helfen. In Afrika ist auch wenig Geld, sehr viel Geld. Wenn ich nur ein Kind rette und ihm Essen gebe, habe ich sehr viel erreicht und ich werde in meinem Herzen deswegen glücklich sein, als ob ich alle gerettet hätte.

 

Das ist sehr ungerecht. Die natürlichen Ressourcen sind so ungerecht verteilt. Die Statistik besagt, dass 1% der Menschen so reich ist, dass sie reicher als die Hälfte der restlichen Menschen sind. Alle dreieinhalb Sekunden stirbt eine Person in der Welt wegen Hungernot, davon sind drei viertel Kinder.

 

Meine humanitäre Mission diesen Sommer hat der Diners Club sponsoriert, der auch eine Spende von 10 000 Euro für die Ausbildung der Kinder in Kenia eingezahlt hat. Ich danke dem Diners Club vom ganzen Herzen für die Sponsorschaft und die Spende. Die Spende von 10 000 Euro ist so verteilt, dass die Schulkosten von ungefähr 18 der ärmsten Kinder in der Mittelschule die nächsten vier Jahre gedeckt sind. Die Kinder wurden von der Armut in ihren Heimen gerettet, denn in der Schule werden sie drei Mahlzeiten pro Tag haben, Kleidung, Schuhe und Schulbedarf. Geld fürs Essen werden auch zwei Familien bekommen (Familien mit 13 bzw. 12 Kindern).

 

Nach meiner Rückkehr aus Afrika konnte ich nicht gleichgültig bleiben angesichts des allen, was ich dort gesehen habe. Zwei Monate später registrierte ich das Zentrum für humanitäre Arbeit, Freiwilligenarbeit und Hilfe für Kinder und Arme in Kroatien und auf der Welt und nannte es Der Blaue Engel. Der Verein und der Name des Vereins Der Blaue Engel erinnern mich an meinen Sohn Dalibor, der mir mit seiner Energie eines Engels ständig Kraft gibt und mich motiviert, weiter zu machen. Die erste große Aktion des Vereins ist die humanitäre Ausstellung von Fotografien der Kinder, die ich in den Dörfern gemacht habe. Die Ausstellung wird auch ein Teil aller unserer weiteren Projekte sein. Ich bitte Sie, dass sie mit ihrer Spende den Kindern und Armen in Kenia helfen. Gemeinsam können wir den Kindern in Afrika eine sorglosere Kindheit bieten, die unsere Kinder haben. Nach der Aktion für die Kinder in Kenia, werden wir Hilfsprojekte für die Kinder in Uganda ins Leben rufen. Wir wollen Kinder in Uganda sponsorieren und in Uganda volontieren, aber auch in einigen anderen afrikanischen Ländern volontieren und in Kroatien bereiten wir ein Projekt für Kinder von alleinerziehenden Müttern und für Kinder aus armen, großen Familien vor.

 

Das bedeutet, dass meine nächste humanitäre Mission Uganda im nächsten Jahr ist.

 

 

Dragica Kopjar, 19.12.2011.

 

 


Wollen wir, dass die Leute die Botschaft der Liebe hören, müssen wir sie in die Welt schicken.
Damit die Lampe leuchtet, müssen wir das Öl ständig nachgießen. - Mutter Teresa